Samstag, 5. Februar 2011

A. Holz: Phantasus

Erstausgabe der 100 Gedichte in Faksimile. Zeilensymmetrisch, ohne Vers und Reim, Gewicht auf Rhythmus. Gedichte um Dachkammerpoeten in verschiedenen Verwandlungen bis zum Göttlichen. Viel Natur, viel Gestirne, viel Liebe, aber in ganz anderen Zusammenhängen. Die Gedichte wurden in späteren Fassungen recht aufgebläht.

A Holz - J Schlaf: Die Familie Selicke

Naturalistisches Drama über eine Familie im Armenmilieu Berlin, die am Weihnachtsabend auf den Vater wartet, der sehr spät, aber mit Christbaum und Geschenken nach Hause kommt. Die Tochter Toni lehnt das Heiratsangebot des Theologen Wendt ab, weil sie zwischen den Eltern vermitteln zu müssen glaubt. Die Söhne gehen schlafen. Als der Vater heimkommt, ist er zunächst fröhlich, was aber bald umschlägt, das er überall auf Ablehnung stößt. Dann stirbt auch noch Lenchen, seine jüngste und Lieblingstochter.

Montag, 31. Januar 2011

A Holz-J Schlaf: Papa Hamlet

Experimentelle Prosa in 3 Teilen: Papa Hamlet, ein alternder, versoffener Schauspieler räsonniert mit Hamletzitaten über sein Elendsleben im Elendsquartier, schlägt sein Kind und storbt, bevor er delogiert wird. Der erste Schultag: Lehrer Borchert sammelt Beschwerdebriefe der Eltern über Mißhandlungen ihrer Kinder mit gewissem Vergnügen, die Kinder in der Klasse wagen sich auch nicht zu rühren, obwohl sie offenbar nichts zu lernen brauchen und gerade ein Seiltänzer draußen auf dem Dorfplatz seine Kunststücke treibt. Auch der Heimweg des kleinen Jonathan, der so seinen ersten Schultag erlebte, ist nicht gerade angenehm. Ein Tod: Studenten betreuen einen nach einem Duell schwer Verwundeten. Als er stirbt, kommt gerade seine Mutter. Der Text ist ziemlich expressiv, die Aussagen depressiv, aber nicht uninteressant in ihren Variationen.

Freitag, 28. Januar 2011

F Schiller: Der Parasit BT

Eine Übersetzunǥ/Nachdichtung nach Picard. Durchaus geeignet und auch aktuell: Ein Nichtskönner versteht es, von anderen zu profitieren, sie dann aber schlecht zu machen. Michael Maetens kann wohl mehr als Selicour, aber er übertreibt allzu sehr, wird dabei oft unverständlich und vermag nicht zu überzeugen. Sprachlich erstaunlich undeutlich ist auch Kirsten Dene als Mutter Belmont. Passend hingegen Udo Samel als Minister Narbonne, Oliver Stokowski als La Roche und J A Oest als Firmin. Die Regie von Matthias Hartmann vermochte offenbar nicht, den Maertens zu zähmen. Das Bühnenbild von J Schütz ist eine hin- und herziehbare Mauer mit verschieden großen Türen. Veröeiht auch nicht gerade Stimmung. Wegen der Seltenheit sehenswert.

Sonntag, 30. Januar 2011

R Wagner: Götterdämmerung Karlsruhe

Viel Fahrerei, aber ein immer wieder schönes Erlebnis. Musikalisch Sonderklasse (Dirigent: Justib Brown), ein überzeugender Siegfried (Lance Ryan), ein stimmlich profunder, aber wenig dämonischer Hagen (Ulrich Schneider), der Rest gutes Mittelmaß. Denis Krief lenkte die Schauspieler gut, ließ aber beim Bühnenbild aus (häßliche Kisten drehten sich, die Gibichungen wurden in einer großen Kiste auf- und zugedeckt, die Nornen und Alberich erschienen in stehenden Kisten, aber Ende drehten sich alle Kisten auf der Drehbühne, Untergang einer Welt, um die nicht schade ist? Auch die Kostüme waren von ihr, zumeist in dezentem zeitlosem Grau. Trotzdem immer wieder Karlsruhe!

Samstag, 22. Januar 2011

C Millocker: Der Bettelstudent

Weiter Weg, aber für meine Lieblingsoperette! Keine Enttäuschung, aber auch nicht unvergeßlich. Gelockt hatte mich, daß Emmy Werner inszenierte. Einige Neuerungen, die aber nicht viel bringen: Die Comtessen wohnen in einem abgelebten Wiener? Hotel, in dem auch die Gefangenen gehalten werden. Sie wissen also, wer die Burschen sind. Frühe Emanzipation? Sonst Kleinigkeiten. Das abgelebte Hotel ist das einzige Bühnenbild (Rainer Sinell), was einige Szenen zu sehr einengt, auch erinnert es mich an Inszenierungen in Wien. Gespielt wird aber ganz ordentlich, beim Singen sticht vor allem Danien Prohaska als Symon heraus, die übrigen sind Durchschnitt. Vor allem Ollendorf (K Scheibmyaer) wünschte man etwas mehr Tiefe. Trotzdem ging ich nach einem Guiness ganz zufrieden in meine JH (gute 2 km).

Montag, 17. Januar 2011

Bert Brecht: Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Zuerst war ich bange vor einer zu willkürlichen Darstellung unserer Wirtschaftskrise, aber der Regisseur Michael Thalheimer hielt an Brecht fest. Das Bühnenbild war ein Tor zum Schlachthof (ein Runderschinken pendelte im Hintergrund), gefüllt mit einem vielköpfigen Chor, der exakt skandierte. Die Auftretenden kamen durch den Chor in den Bühnenvordergrund. Aus der Heilsarmee waren die ‚Schwarzen Strohhüte geworden’. Die Schauspieler agierten engagiert, unnötigerweise zu viel auch mit den Fäusten. Die Aussage vom Scheitern der verschiedenen Revolutionen leuchtete hindurch. Ebenso die klassischen Anspielungen im Finale (Goethes Faust, Schillers Johanna). Die Johanna (S V Frick) habe ich schon glaubwürdiger gesehen, Pierpont Mauler hingegen wurde seiner Rolle voll gerecht. Ein überraschend gelungener Abend.

Sonntag, 16. Januar 2011

O Nicolai: Die lustigen Weiber von Windsor VO

Gehört nicht zu meinen Lieblingsopern, aber ich mag sie, musikalisch, aber auch ihres flotten, heiteren Inhalts wegen. Da hat sie nun ein Herr Alfred Kirchner bearbeitet und inszeniert, und die Texte sind richtig blöd geworden, ebenso der Handlungsgang, ja auch die Musik hält zuweilen den Atem an. Das Bühnenbild ist "kongenial": Es spielt im Wald, wo nur der Schlußakt spielen sollte, die Häuschen der Familien Fluth und Reich können beliebig verschoben und gedreht, auch betreten werden, aber kaum durchsucht, was ja ein wesentliches Elemant der Handlung. Falstaff (Andreas Daum) ist ein viel zu kultivierter Baß mit keiner profunden Tiefe. Der Rest ist eher Mittelmaß, nur Anna (Anja-Nina Bahrmann) brilliert bisweilen. Schrecklich auch die Kostüme und die Personenführung. Enttäuschung auf allen Linien.

Dienstag, 18. Januar 2011

G Hauptmann: Der Biberpelz

Viel gepriesenes Stück, das wohl wegen seiner scharfen Charakterzeichnung großen Schauspielern große Darstellungsmöglichkeiten geboten hat. Mit scheint die Bezeichnung Komödie ebenso fraglich wie irgendeine tiefere Sicht. Dabei übersehe ich wohl das Zeitaktuelle (Personen, die Hauptmann gekannt hat) wie das Komödiantisches. Für mich bleibt es bloß eine Satire.

Theatron Kritikós

Wer lispelt, wird Schauspieler. Wer hustet, geht ins Theater. (Alexandra Lauterbach)

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